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Rechtsextremes Hausprojekt Adam-Kuckhoff-Str. 16 Halle

Im Juni 2017 wurde öffentlich bekannt, dass in der Adam-Kuckhoff-Straße ein Haus von Käufern aus dem Umfeld der sogenannten Neuen Rechten erworben wurde. Ankündigungen zufolge soll das Haus als Anlaufpunkt der Gruppe „Kontrakultur Halle“, die zur „Identitären Bewegung“ gehört, genutzt werden. Hier werden nicht nur Gruppenmitglieder wohnen, sondern sich auch politisch organisieren, mit anderen Gruppen vernetzen und Veranstaltungen durchführen. Doch was ist überhaupt die „Identitäre Bewegung“? Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen und stellen einen Informationsflyer zur Verfügung.


Was ist die »Identitäre Bewegung«?

Die „Identitäre Bewegung“ ist eine in Frankreich entstandene und seit 2012/2013 im deutschsprachigen Raum aktive rechtsextreme politische Strömung. Ihre Aktivisten kommen aus rechten Burschenschaften, militanten Neonazigruppen, aus der Jugendorganisation der NPD, den „Junge Nationaldemokraten“ (JN) und aus rechten Gruppen der bündischen Jugend. Offiziell grenzen sich die „Identitären“ von Neonazis ab. Angesichts personeller Kontinuitäten und inhaltlicher Überschneidungen entspricht dies jedoch nicht der Realität. International arbeiten die „Identitären“ mit faschistischen Jugend-organisationen u.a. in Italien und Frankreich zusammen.

Was wollen die »Identitären«?

Zentrales Thema ihrer politischen Agitation ist die Ansicht, Europa stünde vor einem Austausch seiner Bevölkerung durch Zuwanderung aus islamischen Ländern, was zu einer Islamisierung führen würde. Die „Identitären“ vertreten einen sogenannten Ethnopluralismus, ein kulturrassistisches Weltbild, dass von der Überlegenheit der europäischen Kultur gegenüber anderen ausgeht. Vor diesem Hintergrund lehnen sie Migration und die Aufnahme von Geflüchteten ab, da dies zu einer unzulässigen Mischung der Kulturkreise führe.

Was tut die »Identitäre Bewegung«?

Mit Aktionen wie der symbolischen Besetzung des Brandenburger Tores machen die „Identitären“ medial auf sich aufmerksam. Die Wirkung solcher Aktionen wird vor allem durch eigene Propagandavideos und einer einseitigen undistanzierten Berichterstattung erzielt. Zielgruppe der „Identitären“ sind junge, möglichst akademisch gebildete Erwachsene. Sie werden weltanschaulich in Sinne der extremen Rechten geschult, erlernen Kampfsport und Techniken der medialen strategischen Kommunikation.

Die „Identitären“ legen Wert darauf, in der Öffentlichkeit keine Klischees vom „gewaltorientierten Nazi“ zu erzeugen, pflegen jedoch ein strategisches Verhältnis zur Gewalt. Zu ihrer Taktik gehören Andeutungen und Drohungen bis hin zu tätlichen Angriffen, die als „Verteidigung“ deklariert oder im Verborgenen durchgeführt werden.

Welche Bedeutung hat das Haus?

Mit dem Aufbau und Betrieb des Hauses will sich die Gruppe „Kontrakultur“ als wichtigster Ableger der „Identitären Bewegung“ in Deutschland etablieren. Das Projekt hat szeneintern Vorbildcharakter und ist für die Extreme Rechte in Deutschland ein zentrales Versuchsfeld. Die Mitglieder der Gruppe werden im unmittelbaren Umfeld versuchen, ein positives Bild von sich zu erzeugen. Es geht ihnen darum, das Viertel zu prägen: Bereits jetzt sprechen sie von der MLU als  „unsere Universität“, von  Halle als „unsere Stadt“ und davon sie entsprechend ihrer Vorstellungen umzugestalten. Vielfalt, Weltoffenheit und Solidarität mit Schwächeren sind Werte, die sie bekämpfen.

Gleichzeitig erfahren sie Unterstützung aus der AfD. Der Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider schreibt bei facebook, er habe im Haus ein Büro eröffnet. Weitere Abgeordnete der AfD haben sich schon vor dem Haus und bei anderen öffentlichen Terminen mit den „Identitären“ gezeigt.

Was kann ich tun?

Ein Zentrum zur Organisierung rechtsextremer Gruppen in meiner Nachbarschaft? Nicht mit mir! Anwohnerinnen und Anwohner können viel tun:

  • Lass dich nicht einschüchtern
  • Informiere dich, deine Nachbarinnen und Nachbarn über die Hintergründe des Hauses
  • Schließ dich mit anderen zusammen und tauscht euch aus
  • Zeige Haltung im Alltag gegen die rassistischen Positionen der „Identitären“
  • Setze Zeichen für Menschenrechte und Weltoffenheit
  • Entferne rassistische Aufkleber und Plakate
  • Teile der Stadt und deinem Vermieter mit, was du von den neuen Nachbarn hältst
  • Dokumentiere Drohungen, Einschüchterungen und Angriffe – Solidarisiere dich mit Betroffenen und informiere Polizei sowie Mobile Opferberatung


Wo finde ich weitere Informationen?

Eine ausführliche Recherche zu den Hintergründen, Käufer*innen und Mieter*innen des rechtsextremen Hausprojekts findet sich bei »Sachsen-Anhalt rechtsaussen«: »Kubitscheks Traum vom Nazikiez«. Über die rechtsextreme Gruppierung der »Identitären« in Halle mit dem Namen »Kontrakultur Halle« und deren Bedeutung innerhalb der rechten Szene hat Belltower.News einen guten Überblick veröffentlicht: »Kontrakultur Halle: eine rechtsextreme Marketingagentur«. Eine Einschätzung dazu, dass der AfD-Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider angibt in deren Haus ein Büro zu betreiben hat Endstation rechts veröffentlicht: »'Patriotisches Hausprojekt' in Halle: AfD-Tillschneider und Identitäre Bewegung gemeinsam unter einem Dach«.

Informationsflyer

Hier findet ihr noch unseren Flyer mit Fragen und Antworten zum Download. Und zusätzlich als A4-Kopiervorlage, falls ihr ihn selbst ausdrucken und verteilen oder auslegen wollt.